♥-lich willkommen auf meinem Blog. Wenn ich mich kurz vorstellen darf, ich heiße Lena und komme aus Hessen. Ich hoffe euch gefallen meine Posts.

Samstag, 16. Mai 2026

Eintausend


Neulich hatte mir meine Arbeitskollegin ein Kompliment gemacht, nachdem sie mich in der Stadt traf, nämlich, dass ich nicht nur gut aussah, sondern auch glücklich und dies meine Ausstrahlung noch verbesserte. Was viele manchmal nicht ganz zu verstehen scheinen ist, ich bin gar kein besonders Freude verbreitender Mensch, sogar im Gegenteil. Scherzhaft sage ich, dass ich zum Lachen in den Keller gehe. Wenn ich mit meiner Familie um den Tisch sitze, fragen sie sich oft, ob etwas mit mir nicht stimmt, weil ich so ruhig bin. Freunde schreiben mich an, was es eigentlich gerade Neues gibt, weil mir zum Erzählen nicht viel einfällt. Ich teile kaum etwas, weil ich oftmals keine Reaktion von niemandem wünsche, oder einen entsprechenden Kommentar. Wenn ich Sorgen oder Probleme habe, löse ich sie alleine und reguliere mich nach außen hin. Denn ich bin immer in der Art kontrolliert mit meinen Emotionen, sodass sich andere nichts davon ableiten können, extra. Ich will ebenfalls keine Hilfe oder Meinungen, ich kenne meine Themen und finde heraus, wie ich sie bearbeite. Weitestgehend versuche ich mich Bewertungen in der Öffentlichkeit zu entziehen; ich erscheine nirgendwo, ich brauche keine Aufmerksamkeit oder spontane Gespräche. Es ist nichts wirklich Neues, dass ich mich in meiner eigenen Welt befinde und die ist mir heilig, umso mehr versuche ich mein Inneres zu schützen.

Vielleicht mag das auf jemand Außenstehenden melancholisch wirken und vielleicht stimmt das und ist der Grund dafür, warum ich nicht mehr gerne unter vielen Leuten bin, mich des öfteren dann nicht wohlfühle oder nicht weiß, welchen Zweck ich zu erfüllen habe. Andererseits zeigt mir das, wie ich mir meine Authentizität für die richtigen Menschen und Situationen aufspare und ich verstehe, dass ich mich nicht mit jedem teilen muss. Meiner Mutter war es immer wichtig mir Integrität zu vermitteln und selbst vor etlichen Jahren schon hatte eine Freundin einen ähnlichen Tipp für mich; du solltest nicht zu vielen die Chance geben nah an deinem Herzen zu sein. Und eigentlich stammt daher ein Großteil meines Idealismus. Ich muss nur zu denen, die mir wichtig sind eine gute Freundin sein mit offenem Ohr und passendem Rat und ich muss nur einen Mann finden, dem ich eine Beziehung mit Liebe und Zuneigung schenke. Dem Rest kann ich den Rücken zukehren. Ob das zu viel auf eine Karte gesetzt ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, aber es ist besser, als meine Energie zu verstreuen, ohne meinem Verstand zu folgen.
Und glücklich war ich an jenem Tag sehr, weil ich nach meiner Moral leben kann und trotzdem in kleinen Dosen mein Umfeld daran teilhaben lasse, sofern es mir meine Werte spiegelt. Und mein Engagement und ab und zu auch ein bisschen meiner Wärme, die ich sonst lieber für mich behalte. Interessanterweise ist es nämlich nicht viel, was ich brauche, um lächelnd durch die Stadt zu laufen. Ich bin gar nicht mal so sehr abgestumpft, wie es wirkt und habe Freude an vielem, daran wird sich nichts ändern. Keine Depression, keine Traurigkeit, nur meine kleine Blase in der sich mein ganzes Leben abspielt. Wir lachen gemeinsam, ich schaue einen Lieblingsfilm und greife vor dem Schlafengehen zu einem spannenden Buch oder meinem Nintendo, male immer noch und mir gefällt der Kontakt zu den Kindern auf der Arbeit. Ich kümmere mich um alles und alle, die mir am Herzen liegen und das jeden Tag. Selbstverständlich versuche ich mich zu verbessern, vertiefen und erweitern, als wäre das nicht immer mein Bestreben gewesen. Ich bleibe dabei, ich lerne dazu, ich halte fest daran, nach meinen Maßstäben und meinem Gewissen. Noch habe ich nicht vergessen, was ich mir schon als Kind versprochen habe, das gerne in der Bibel oder in alten komplizierten Geschichten gelesen hat und dennoch ein wenig anders war als die meisten. Man beraubt sich selbst um einige achtenswerten Ziele, wenn man als Teenager versucht gemocht zu werden, beziehungsweise viele Freunde zu finden. Besonders bei Unsicherheiten über die eigene Popularität und bei Zweifeln bezüglich des Optischen. Wer will ich sein, wenn niemand hinschaut? Vielleicht sollten wir uns – und gerade während solch einer Episode – wieder häufiger mit dieser Frage konfrontieren und mit Abstand und Vernunft die Antworten auswerten.

Erleichtert bin ich, weil ich für meine Begriffe keine unverzeihlichen Fehltritte gebraucht habe, um ein anständiges Bild von mir im Inneren und Äußeren zu kreieren. Es macht mir zwar zu einem gewissen Grad Angst, wenn mich meine Kollegin in einem sensiblen Moment wahrnimmt, aber zum beschriebenen Prozess gehört ebenso keine falsche Fassade aufrecht zu halten. Letztes Jahr war definitiv eine meiner größeren Herausforderungen, dass ich in betonter Neutralität ein Stück meiner Persönlichkeit aufgebe, aus Angst mein Gesicht zu zeigen und verletzlich dadurch zu werden. Ich darf das, eigentlich bin ich sogar ein ganz feinfühliger Charakter, der kein besseres Thema kennt außer den drei Dingen auf dem Planeten, die mag und den Menschen, für die ich alles stehen und liegen lassen würde... im Körper eines festgefrorenen Stoikers. Jetzt wisst ihr zumindest, wieso mich das Kompliment tatsächlich sehr gerührt hat.

Montag, 29. September 2025

In Gedenken an Robbie

 
Es war als hätte Mephisto mir vor zwei Jahren folgenden Deal angeboten:
Du erlebst die aufregendste, glücklichste Zeit deines Lebens und dafür - 
Verlierst du alles, Stück für Stück, was aus der Vergangenheit dazu gehört hat. 

Ich weiß nicht, ob ich dazu nochmal ja sagen würde, doch damals tat ich es. Mir waren diese ganzen Erfahrungen das Alleine sein und die Trauer wert, aber der Preis ist hoch gewesen. Vor fünfzehn Jahren brachte meine Mutter einen kleinen Kater zu uns nach Hause und ich nannte ihn Robbie, weil an jenem Morgen Robbie Williams im Frühstücksfernsehen auftrat. Ein paar Wochen später starb sie und von meiner Familie blieben nur noch ich und er übrig. Jeder kannte uns zusammen, eine Katze die selten auf Menschen zuging und ich genauso wenig, aber gemeinsam hatten wir die schönsten Momente. Robbie war zwar kein durch und durch braves Tier, doch jeden Tag wartete er auf mich, nach der Schule, nach der Uni, nach der Arbeit... oder wenn ich einfach außer Haus gewesen bin. Oft saß er in der Einfahrt und begrüßte mich unter Miauen, oder rannte aus egal welchem Stock zur Tür, wenn er mein Auto hörte. Es verging keine Nacht, in der Robbie nicht an meiner Seite war, zum Aufpassen, zum Beruhigen oder einfach, weil wir so gerne die Gesellschaft des anderen genossen. In den letzten Jahren kamen etliche Sorgen hinzu, gelinde ausgedrückt, jeden freien Moment sorgte ich mich um meine Katze, die immer älter und leider auch kränker wurde. Ich ging kaum noch mehrere Stunden am Stück weg, ohne zwischendrin nach ihm zu sehen oder beauftragte Helga und Heinz, die sich immer mit voller Aufopferung gekümmert haben, wenn ich mal verhindert war. Als meine Freundin heiratete ging es mir selbst schon zunehmend schlechter, mein Gewissen hielt die Abwesenheit von zu Hause schlecht aus, danach folgten so viele verstörende Nachrichten, dass ich es kaum noch beim Tierarzt ertragen konnte. Keine Ahnung, wie ich das durchgehalten habe, aber am wirklichen Ende war alles friedlicher als gedacht und dafür bin ich dankbar. Ich habe Heinz selten in der Art Weinen sehen und schon im nächsten Moment herrschte wieder würdevolle Stille. Er hat ihn im Garten vergraben, mit ordentlicher Bestattungszeremonie und Jagdhut auf dem Kopf, sogar ein kleines Schild hatte er für Robbie gebastelt. Wir haben ihn unendlich doll geliebt, ich glaube, das wusste er auch. 


If tears could build a stairway 
and memories a lane, 
I'd walk right up to heaven 
And bring you home again.